11.09.2026
Lesezeit: 10 min

Hintergrundwissen

Mehr Frauen in Tech: Welche Rolle Zugehörigkeit spielt

Frauen sind in der Tech-Branche nach wie vor unterrepräsentiert. Das Projekt WiSE verfolgt das Ziel, auch Frauen ohne klassisches MINT-Fach für die Softwareentwicklung zu begeistern. Wie kann das gelingen?

Auch im Jahr 2026 sind Frauen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) Studiengängen und Ausbildungsfächern noch immer unterrepräsentiert (Statistisches Bundesamt, 2026). Im weiteren Verlauf des Bildungs- und Karrierewegs wird diese Lücke häufig noch deutlicher. Während Männer im MINT-Bereich Karriere machen, verlassen viele Frauen diesen Bereich bereits nach wenigen Jahren. Dieses Phänomen wird als Leaky-Pipeline-Phänomen bezeichnet (Blickenstaff, 2005; Glass et al., 2013; Speer, 2023).

Die Leaky-Pipeline hat weitreichende negative Folgen: Frauen verlieren den Zugang zu prestigeträchtigen und gut entlohnten Berufsfeldern und der Technologiebranche gehen Talente verloren (Criado-Perez, 2020; Jiang, 2021). Um mehr Frauen langfristig für eine Karriere im Tech-Bereich zu begeistern und Talente für die Technologiebranche zu fördern, fördert das Projekt WISE (Activating Women in Software Engineering) gezielt auch unkonventionelle Wege in die Tech-Branche. Das bedeutet konkret die Förderung talentierter Frauen, die kein klassisches MINT-Fach studieren, sondern sozial- und geisteswissenschaftliche Expertise mitbringen: Expertise, die die Tech-Branche gerade im Zeitalter von KI dringend benötigt.

Aus unseren Befragungen unter Studentinnen dieser Studiengänge geht jedoch hervor, dass sie die Tech-Branche zwar als positiven Arbeitgeber wahrnehmen, sich jedoch oft nicht in der Lage sehen, in diesem Bereich zu arbeiten. So fühlen sich viele Studentinnen nicht als Teil der Tech-Branche und sehen hohe Konkurrenz sowie mangelnde Expertise als Einstiegshürden. Daher möchten wir im Projekt WISE zunächst das Zugehörigkeitsgefühl von Studentinnen zur Tech-Branche stärken. Forschung zeigt, dass ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl zu MINT mit einem höheren Wunsch nach einer Tech-Laufbahn und einer größeren Beständigkeit in Tech-Berufen verbunden ist (Good et al., 2012; Hazari et al., 2010; Jones et al., 2013; Lewis et al., 2017). Dabei stützen wir uns auf Erkenntnisse aus bisheriger Forschung, die vor allem drei Strategien zur Förderung von MINT-Zugehörigkeit empfiehlt:

1. Weibliche Rollenvorbilder

Erfolgreiche Frauen aus der Tech-Branche zu sehen und ihre Geschichten zu hören, kann bei Studentinnen das Gefühl stärken, selbst in der Tech-Branche erfolgreich werden zu können. Gerade wenn die Vorbilder Ähnlichkeiten mit den Studentinnen aufweisen, etwa wenn sie dasselbe studiert haben oder ähnliche Interessen teilen, tritt dieser Effekt besonders stark hervor. (Giese et al., 2025; Merritt et al., 2021; Milton et al., 2023).

Daher plant WISE, im Rahmen von Podcasts erfolgreiche Frauen mit unterschiedlichen Werdegängen vorzustellen. Damit kann eine möglichst breite Gruppe von Studentinnen erreicht und inspiriert werden.

2. Lernen an echten Projekten

Projekte in der Tech-Branche sind oft vielfältig und erfordern eine breite Expertise. Das ist Studentinnen aus nicht-MINT-Studiengängen jedoch oft nicht bewusst. Der beste Weg herauszufinden, wie die eigene Expertise in der Tech-Branche gebraucht wird, ist an echten Projekten aus der Praxis zu arbeiten

(Merritt et al., 2021; Milton et al., 2023; Rillero et al., 2025; Short-Meyerson et al., 2025). Dadurch wird das Interesse an Themen der Tech-Branche geweckt und die Selbstwirksamkeit gestärkt (Master & Meltzoff, 2020; Zhao et al., 2024).

Das Projekt WISE hat dafür bereits zahlreiche Workshops angeboten, in denen Studentinnen in Zusammenarbeit mit Unternehmen der Tech-Branche an echten Projekten arbeiten können. Die Evaluationen nach den Workshops haben gezeigt, dass sich die Teilnehmerinnen danach darin bestärkt gefühlt haben, in interdisziplinären Tech-Teams zu arbeiten.

3. Räume für Gemeinschaft

Um sich im Tech-Bereich frei, ohne Vorurteile und Erwartungen, ausprobieren zu können, hat sich gezeigt, dass rein weibliche Gruppen einen geschützten Raum schaffen können (Chen et al., 2026).

Daher bietet WISE in den Workshops die Möglichkeit, in rein weiblichen Gruppen in die Tech-Branche schnuppern zu können. Dabei ist neben der Arbeit an Tech-Projekten auch Raum, um sich über Erfahrungen und mögliche Bedenken bezüglich einer Arbeit in der Tech-Branche auszutauschen. Zudem bieten die Workshops die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und langfristige Supportsysteme aufzubauen. In Zukunft sind weitere Workshops sowie Formate wie Summer Schools geplant, um diese Möglichkeiten weiter auszubauen.

Sei dabei!

Bist du selbst Studentin und möchtest mehr über die Tech-Branche erfahren? Dann folge uns gerne auf unseren Social-Media-Kanälen und bleib auf dem Laufenden über zukünftige Workshops und Events.

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Danksagung: Wir danken Josefine Albert für die Unterstützung bei der Literaturrecherche für diesen Text.